Pressemitteilung

Neuer Durchbruch für Versicherungen zur Armutsbekämpfung:

Zweite internationale Mikroversicherungskonferenz und Buchvorstellung ein großer Erfolg

Im Namen der Münchener Rück Stiftung, der CGAP Working Group on Microinsurance, der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und FinMark Trust

Mikroversicherungen sind ein wichtiges Risikomanagement-Instrument für Haushalte mit niedrigem Einkommen und leisten weltweit einen wesentlichen Beitrag zur Armutsbekämpfung. Über 150 Experten aus 30 Ländern nahmen vom 21. bis 23. November 2006 als Vertreter von 80 internationalen Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, Entwicklungshilfeorganisationen und der Versicherungswirtschaft an der zweiten Mikroversicherungskonferenz 2006 teil. Organisiert wurde die Jahreskonferenz mit dem Motto „Making Insurance Work for Africa“ von der Münchener Rück Stiftung und der CGAP-Arbeitsgruppe Mikroversicherung in Zusammenarbeit mit der in Südafrika ansässigen FinMark Trust. Veranstaltungsort war Kapstadt, Südafrika.

Teilnehmer aus 12 Ländern Afrikas hatten Gelegenheit zum Meinungsaustausch mit Fachleuten aus Europa, Nordamerika, Indien, Pakistan, den Philippinen und anderen Regionen. Thema war die Problematik von Versicherungen für Geringverdiener. Erst- und Rückversicherungsunternehmen, darunter die Old Mutual, Santam, Hollard, AIG, Münchener Rück und Zürich Financial Services, stellten etwa die Hälfte der Teilnehmer – ein Zeichen für das wachsende Interesse der etablierten Marktteilnehmer, unterversorgte Märkte zu erreichen.

Dirk Reinhard, stellvertretender Geschäftsführer der Münchener Rück Stiftung, erklärte: „Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Mohammed Yunus und die Grameen Bank hat dazu beigetragen, die Menschen weltweit dafür zu sensibilisieren, dass der Mikrofinanzsektor eine entscheidende Rolle spielt.“ Versicherungen bilden eine wichtige Ergänzung zu Krediten, Sparkonten und anderen Finanzdienstleistungen, um Risiken und Notlagen für Haushalte mit geringem Einkommen zu verringern. “In der Anfangsphase der Mikrokredite erhielten selbständige Frauen kleine Darlehen, um ihre Geschäftstätigkeit auszuweiten. Heute wissen wir, dass Finanzdienstleistungen sowohl eine produktive als auch eine schützende Funktion haben. Bedarfsgerechte Versicherungsprodukte sind für viele Geringverdiener außerordentlich wichtig,“ so Reinhard weiter.

Versicherungen helfen Afrika

Welchen Beitrag Versicherungen in Afrika leisten können, war das Thema der diesjährigen Konferenz mit dem Motto „Making Insurance Work for Africa“. Gerade in Afrika ist die wirksame soziale Absicherung der Bevölkerung durch den Staat problematisch. Nach den Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) haben nur 20 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zu einer angemessenen sozialen Absicherung wie Gesundheits- und Altersversorgung, über die Hälfte verfügt über keinerlei Absicherung. Craig Churchill von der ILO in Genf erläuterte: “Weil die Menschen in vielen Ländern und insbesondere in Afrika nicht ausreichend sozial abgesichert sind, ist die Mikroversicherung gefordert, diese Lücke zu schließen.“ Aufgrund der begrenzten Mittel dieser Länder „wird ein zusätzlicher Ansatz benötigt, um mit staatlichen Anreizen den privaten Sektor zum Wohl der Gemeinschaft stärker einzubinden.“

Dominic Liber, Aktuar aus dem südafrikanischen Quindiem, präsentierte die Ergebnisse eines demnächst erscheinenden Berichts des MicroInsurance Centre. Demnach verfügen nahezu 80 Millionen Menschen aus unteren Einkommensschichten weltweit über Versicherungsschutz. Trotz der beachtlich klingenden Zahl besitzen damit weltweit jedoch nur drei Prozent der einkommensschwachen Haushalte formalen Versicherungsschutz.

Auf dem afrikanischen Kontinent ist das Versicherungsprämienaufkommen bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt im weltweiten Vergleich am niedrigsten. Der FinScope-Erhebung zufolge haben nur 19 Prozent der Südafrikaner irgendeine Art formale Lebensversicherung, so Jeremy Leach von FinMark Trust. Kurzfristigere Policen sind mit nur neun Prozent noch weniger verbreitet, wobei diese Ergebnisse verglichen mit dem übrigen Afrika durchaus beeindruckend sind. So ergab die Erhebung von FinScope in Zambia, dass weniger als sieben Prozent der Bevölkerung überhaupt eine Versicherung haben. Um den Versicherungsschutz auszuweiten, brauchen die Versicherungsunternehmen kreative Lösungen, um nicht-traditionelle Märkte zu versorgen und so die Menschen zu erreichen, die wie die meisten Afrikaner in der informellen Wirtschaft arbeiten.

Die Nachfrage nach Versicherungen ist bei Gruppen mit geringem Einkommen durchaus vorhanden und es gibt auch einen Markt, wenn die Produkte bedarfsgerecht zugeschnitten und die Vertriebswege effektiv sind. So existieren beispielsweise in Südafrika auf kommunaler Ebene knapp 100.000 Begräbnisgesellschaften, die rund 1 Mrd. Dollar an „Prämien“ zahlen. Diese Gesellschaften ermöglichen Geringverdienern, die oft erheblichen Begräbniskosten für Familienmitglieder durch eine Zusammenfassung ihrer Mittel zu decken. Die Tatsache, dass so viele Menschen auf diese informellen Möglichkeiten zurückgreifen, um das Risiko unerwarteter Ausgaben beherrschbar zu machen, lässt vermuten, dass die etablierten Versicherungsunternehmen den Bedarf nicht ausreichend abdecken.

Innovative Lösungen

Innovative Konzepte wie die ugandische Krankenversicherung Microcare und die auf kommunaler Ebene genossenschaftlich organisierten mutuelles santé in Westafrika beweisen, dass man die Schwierigkeiten auf dem Mikroversicherungsmarkt überwinden kann. Zu den größten Hindernissen zählen hohe Vertriebskosten und ein unzureichendes Verständnis von Versicherung.

In Südafrika bieten große Einzelhandelsketten wie Shoprite, Edcon, PEP-Stores und Ellerines in Zusammenarbeit mit Versicherern Mikroversicherungen an. Das Potenzial ist vielversprechend. Dirk Reinhard schloss die Konferenz mit den Worten: “Wir erleben eine neue und starke Dynamik mit enormen Chancen. Die Mikroversicherung ist alles andere als klein und unbedeutend – sie ist der Schlüssel, um die Menschen sozial abzusichern und Armut zu bekämpfen.“

Die nächste Jahreskonferenz findet im November 2007 in Mumbai, Indien, statt.

Neuerscheinung als Meilenstein

Auf der Tagung wurde ein neues Buch mit dem Titel „Protecting the Poor: A Microinsurance Compendium“ vorgestellt, das von der ILO herausgegeben wird. Dieses umfassende Kompendium verdeutlicht, dass die Mikroversicherung konkret im Entstehen begriffen ist. Es erläutert die Schwierigkeiten und zeigt neue Lösungen auf. Als wichtiges Nachschlagewerk vereinigt es die aktuellen Erkenntnisse aus der Praxis, gestützt auf die Untersuchung von 40 Mikroversicherungskonzepten weltweit. Dabei wird auf positive und negative Erfahrungen gleichermaßen eingegangen. Entstanden ist ein unentbehrliches Referenzwerk für alle diejenigen, die einkommensschwachen Gruppen Versicherungen ermöglichen wollen. Das 600 Seiten umfassende Werk liegt in gebundener Form vor.

Ansprechpartner:
Craig Churchill, ILO, Chair of the CGAP Working Group on Microinsurance
Tel.:  +41 22 799 6242 / Churchill@ilo.org
Jeremy Leach, FinMark Trust
Tel.: + 27 83 382 3520 / jeremyl@finmark.org.za
Dirk Reinhard, Münchener Rück StiftungTel.: +49 160 704 6016 / dreinhard@munichre-foundation.org

Weitere Informationen:
• Konferenz www.microinsuranceconference.org
• Münchener Rück Stiftung www.munichre-foundation.org
• Internationale Arbeitsorganisation (ILO) www.ilo.org
• CGAP Working Group on Microinsurance www.microfinancegateway.org/resource_centers/insurance 
• CGAP www.cgap.org 
• FinMark Trust www.finmarktrust.org.za 
• Buch „Protecting the Poor“ Bestellung www.ilo.org (publications)
• Buch “Protecting the Poor” Online-Ansicht www.microinsurancecompendium.org

Zu den Organisationen

Die CGAP Working Group on Microinsurance setzt sich zusammen aus Geberorganisationen, Versicherern und anderen interessierten Parteien. Sie ist für die Koordination von Geberaktivitäten zuständig, die der Entwicklung und Verbreitung von Versicherungslösungen für einkommensschwache Haushalte in Entwicklungsländern dienen. Nähere Angaben zur Arbeitsgruppe, den vierteljährlichen Newsletter und Fallstudien finden Sie unter dem oben angegebenen Link.

FinMark Trust ist eine unabhängige Treuhandgesellschaft, deren Geschäftstätigkeit von Treuhändern südafrikanischer Länder überwacht wird. Das Motto „Die Finanzmärkte für die Armen arbeiten lassen“ ist Programm. FinMark Trust fördert und unterstützt politische und institutionelle Entwicklungen, um Bevölkerungsgruppen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu verschaffen, die vom Bankensektor bisher nur unzureichend oder gar nicht betreut wurden.

Die Themen, mit denen sich die Münchener Rück Stiftung auseinandersetzt, sind so komplex und vielschichtig wie die Hintergründe und Ursachen von Risiken. So sind Fragen zum Thema Bevölkerungsentwicklung untrennbar verbunden mit dem Element Wasser als knapper Ressource einerseits und als Risikofaktor andererseits. Ebenfalls eng miteinander verknüpft sind Umweltveränderung und Klimawandel oder Katastrophenvorsorge und Armutsbekämpfung. Die Stiftung will übergreifende Aspekte aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, um nachhaltige Lösungen für die Risikobewältigung zu entwickeln.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen zur Förderung sozialer Gerechtigkeit und international anerkannter Menschen- und Arbeitnehmerrechte. Die ILO formuliert internationale Arbeitsnormen in Form von Übereinkommen und Empfehlungen und setzt damit Mindeststandards für grundlegende Arbeitsrechte. Hierzu gehören das Recht auf Versammlungsfreiheit, Organisierung, kollektive Tarifverhandlungen, Chancengleichheit, Gleichbehandlung und auf die Abschaffung von Zwangsarbeit sowie andere Normen, die das gesamte Spektrum arbeitsbezogener Fragen regeln. Außerdem fördert sie die Entwicklung unabhängiger Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen. Die ILO verfügt über eine einzigartige dreiteilige Struktur, wobei sich Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter als gleichwertige Partner der Regierungsvertreter an der Arbeit in den Verwaltungsgremien beteiligen

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