Pressemitteilung

Mikroversicherung – Risikomanagement für arme Menschen

Pressemitteilung/6. Nov. 2008 - Mikroversicherungskonferenz 2008

Auf der 4. Internationalen Mikroversicherungs-Konferenz in Cartagena, Kolumbien, forderte Präsident Álvaro Uribe die Armen des Landes auf, Mikroversicherungen für ihr persönliches Risikomanagement zu nutzen, um für Krisensituationen gewappnet zu sein.

Mehr als 400 Experten und Praktiker aus 50 Ländern trafen sich am 5. November 2008 in Cartagena, Kolumbien, um aktuelle Entwicklungen und kostengünstige Versicherungslösungen für die Armen der Welt zu diskutieren. Zwei Drittel der Konferenzteilnehmer kamen aus dem Privatsektor, mehr als die Hälfte aus Lateinamerika.

Der kolumbianische Präsident Álvaro Uribe eröffnete die Konferenz und sagte: “In meinem Land hat Mikroversicherung sogar das Potenzial, die Ärmsten der Armen zu erreichen. Es ist wichtig, das Konzept auch der armen Bevölkerung verständlich zu machen, damit diese Mikroversicherungen nutzt. Dies ist die beste Möglichkeit für persönliches Risikomanagement – sei es für den Fall von Gesundheitsproblemen, bei Finanzkrisen oder Naturkatastrophen. Die Betroffenen sollten nicht zu Geldverleihern oder Geschäftemachern am Schwarzmarkt gehen, sie sollten stattdessen Versicherungsinstrumente nutzen.“

Roberto Junguito, Präsident des kolumbianischen Versicherungsverbands FASECOLDA, betonte, dass es nicht notwendig sei, die bestehende Regulierung in Kolumbien zu ändern oder neue Regeln für Mikroversicherung einzuführen. „Der private Sektor bemüht sich auch so mit Nachdruck, innovative Produkte zu entwickeln, die Bedürfnisse der Konsumenten zu stillen und die steigende Nachfrage zu bewältigen.“ Allein dadurch entstehe Wachstum. Junguito unterstrich, es sei notwendig, maßgeschneiderte und erschwingliche Lösungen zu entwickeln.

Kolumbien ist ein idealer Veranstaltungsort, da das Land einen der wichtigsten Märkte für Mikroversicherung in Lateinamerika darstellt. Vor mehr als fünf Jahren wurden hier die ersten Mikroprodukte entworfen, heute bieten 11 Gesellschaften Leben- und Unfall-, Begräbnisversicherung und andere Sparten an. Aktuell werden Policen für das Sachgeschäft entwickelt, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.

Mehr als drei Millionen Menschen in Kolumbien besitzen Mikroversicherungs-Policen. Wenn man mit einrechnet, dass die Beerdigungsversicherung im Schnitt pro Haushalt mindestens zwei Personen abdeckt, sind insgesamt über fünf Millionen Kolumbianer mikroversichert – was mehr als 10 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Die Durchschnittsprämie pro Monat liegt zwischen 4 Cents und 3 US-Dollar. Wie in vielen anderen Ländern ist die Nachfrage stabil, die Menschen bezahlen ihre Prämien regelmäßig. Der Präsident des Versicherungsverbands sagte: “Die Märkte sind gesund und wachsen stetig, die Schadenquoten sind bemerkenswert niedrig. Im Jahr 2007 lag die Quote beispielsweise unter 30 Prozent.”

In seiner Eröffnungsrede sprach Präsident Uribe auch über Naturkatastrophen. „Die Regierung gibt Jahr für Jahr rund 180 Mio. US-Dollar aus, um Schäden durch Überschwemmungen und Erdrutsche zu kompensieren. Wir brauchen Partnerschaften zwischen dem Staat und der Privatwirtschaft, um damit besser umgehen zu können.“ Dann wandte er sich den Entwicklungsprogrammen in seinem Land zu. In Kolumbien gibt es zahlreiche Sonderprogramme für arme Familien, Kleinunternehmer und Studierende. Die Bandbreite reicht von Ausbildungsangeboten über Gesundheitsleistungen bis hin zu Ernährungsprogrammen. „Das Netz von Mikrofinanzinstitutionen und Spezialbanken ist engmaschig. Mikroversicherung muss mehr als bisher ein elementarer Bestandteil der zahlreichen Aktivitäten und Entwicklungsbemühungen werden“, sagte der Präsident.

Craig Churchill von der Internationalen Arbeiterorganisation (ILO), der zugleich Vorsitzender der CGAP-Arbeitsgruppe für Mikroversicherung ist und die Konferenz mitorganisierte, betonte: „Mikroversicherung ist nur ein Werkzeug von vielen, um arme Menschen zu unterstützen. Wir haben viel erreicht, nun geht es aber darum, dass die kommerziellen Versicherer mehr als Interessensbekundungen äußern und handeln.“ Churchill fügte hinzu: „Heutzutage bieten immer mehr Mikroversicherer einfache Produkte wie beispielsweise Kreditversicherung an. Nun ist es an der Zeit, speziellere Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.“

Thomas Loster, Geschäftsführer der Münchener Rück Stiftung sagte: “Seit der ersten Konferenz im Jahr 2005 hat sich das Thema Mikroversicherung deutlich entwickelt. Heute steht es ganz oben auf der Tagesordnung der bedeutendsten Schwellenländer und auch andere Entscheidungsträger haben die Mikroversicherung entdeckt. Sie findet sich sowohl im Gleneagles-Prozess, der aus den G8-Gipfeln hervorgegangen ist, als auch in den internationalen Klimaverhandlungen. Inzwischen ist sie als Möglichkeit für die Armutsbekämpfung und als eine Anpassungsstrategie für steigende Risiken aus dem Klimawandel anerkannt.“

Am Ende seiner Rede schloss der kolumbianische Präsident Uribe, auch arme Menschen seien durchaus bereit, die Angebote des Privatsektors zu nutzen. „Mikroversicherung kommt von Herzen, sie ist aber ein Geschäft und keine Wohltätigkeit.“

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Über die Konferenz und deren Organisatoren:

Die Mikroversicherungskonferenz wurde von der Münchener Rück Stiftung ins Leben gerufen und wird von ihr in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Mikroversicherung der CGAP (Consultative Group to Assist the Poor) organisiert. Die Veranstaltung findet bereits zum vierten Mal statt. Mitveranstalter der diesjährigen Konferenz sind der Verband der kolumbianischen Versicherer FASECOLDA, der interamerikanische Versicherungsverband FIDES und die kolumbianische Finanzaufsicht Superintendencia Financiera de Colombia.

Die Münchener Rück Stiftung will übergreifende Aspekte aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, um nachhaltige Lösungen für die Risikobewältigung zu erarbeiten. Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit Risikomanagement und Armutsbekämpfung. Näheres unter: www.munichre-foundation.org

Die CGAP Working Group on Microinsurance setzt sich zusammen aus Geberorganisationen, Versicherern und anderen interessierten Parteien. Sie ist für die Koordination von Geberaktivitäten zuständig, die der Entwicklung und Verbreitung von Versicherungslösungen für einkommensschwache Haushalte in Entwicklungsländern dienen. Mehr im Internet unter: www.microinsurancefocus.org

Nähere Informationen beim Organisator der Veranstaltung:
Dirk Reinhard
Stellvertretender Geschäftsführer der Münchener Rück Stiftung
Mobil: +49 160 704 6016
E-Mail: dreinhard@munichre-foundation.org

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