Trinkwasser in ariden Gebieten – der CloudFisher geht in Serie

30 neue CloudFisher, 1.600m² Netzfläche: Im Frühjahr 2016 entschied das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das innovative Nebelnetzprojekt der WasserStiftung Ebenhausen zu fördern. Der CloudFisher ist ein neuer, optimierter und weltweit der erste serienmäßige Nebelfänger, der die Nebelnetztechnologie revolutionieren kann.

Endlich ist es soweit. Am Gipfel des Boutmezguida im Marokkanischen Antiatlas wird die weltweit größte Nebelnetzanlage der neuen Cloudfisher-Technologie entstehen. Ohne die großzügige Förderung des BMZ wäre das nicht möglich geworden. Die WasserStiftung Ebenhausen stellte zusammen mit der marokkanischen NGO Dar Si-Hmad den Förderantrag. Die Münchener Rück Stiftung ist Projektpartner und trägt die Hälfte der notwendigen Eigenkapitalleistung.


In Marokko entsteht eine Nebelnetzanlage mit der neuen Technik, dem CloudFisher. Die Tests verliefen sehr vielversprechend. © Peter Trautwein, Wasserstiftung

Baubeginn im Januar 2017
Noch in diesem Jahr sollen alle notwendigen Baumaterialien für 30 Nebelfänger – vom großen Stahlträger bis hin zum kleinsten Gummiexpander – gekauft und nach Marokko gebracht werden. Über 1.600 m² speziell entwickeltes Netzmaterial werden in Deutschland produziert und in das Antiatlasgebirge geschickt. Ab Januar 2017 wird dann der Münchner Industriedesigner Peter Trautwein von der WasserStiftung Ebenhausen vor Ort sein und zusammen mit einem Team von Dar Si-Hmad die ersten 15 CloudFisher aufbauen. Verläuft alles nach Plan, können die neuen Nebelkollektoren im Frühjahr in Betrieb gehen und bereits in der Nebelsaison 2017 dringend benötigtes Trinkwasser in die umliegenden Dörfer liefern. Die bereits installierten Nebelnetze der ersten Generation werden zurückgebaut. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die eher einfachen Kollektorkonstruktionen und die bislang verwendeten Materialien für starke Winde und schwierige Witterungsbedingungen am Boutmezguida nicht gut geeignet sind.

Netztechnologie 2.0
Angesichts dieser Probleme hatte Trautwein bereits 2012 begonnen, einen neuen, funktionsfähigen Nebelfänger mit höheren Wassererträgen zu entwickeln. Unzählige Diskussionen über Windgeschwindigkeiten, Statik, Materialverschleiß und Wassererträge führten zum Erfolg: Mit dem CloudFisher hat Trautwein einen komplett neuen Nebelkollektor entwickelt und im Herbst 2013 zum Test auf dem Boutmezguida aufgebaut. In der zweijährigen Testphase bestand der neue Kollektortyp alle Prüfungen mit Bravour. Die Münchener Rück Stiftung stellte wichtige Kontakte her und unterstützte die Technologieentwicklung finanziell. Die Technische Universität München begleitete das Projekt von wissenschaftlicher Seite.

Mehr Stabilität und Ertrag
Der neue CloudFisher hat große Vorteile: Alle Bauteile wie Pfosten, Stahlseile, Erdnägel, Schrauben, Netzmaterial und -aufhängungen sowie die Betonfundamente sind so berechnet, dass sie auch sehr starken, böigen Winden trotzen. Im Bergland von Marokko erweist sich diese Stabilität als überaus wichtig. Darüber hinaus testete Trautwein viele unterschiedliche Netzgewebe – vom einfachen sogenannten Raschelnetz bis zum Hightech-Material –, um die höchstmögliche Wasserausbeute zu erzielen. Alle verwendeten Materialien sind lebensmittelecht und extrem widerstandsfähig gegen Sonnenstrahlung und andere Umwelteinflüsse. Der Nebelfänger lässt sich schnell und unkompliziert montieren, benötigt keine Energie zum Betrieb und ist außerordentlich wartungsarm.


Peter Trautwein präsentierte den neuen CloudFisher auf der "Conference on Fog, Fog Collection and Dew" in Breslau.

Ein Netz für die Weltöffentlichkeit
Im Juli 2016 wurde der CloudFisher erstmals der internationalen Expertenwelt für Nebel und Tau präsentiert. Peter Trautwein erklärte auf der alle drei Jahre stattfindenden Conference on Fog, Fog Collection and Dew in Breslau die Konstruktion des neue Kollektors, zeigte die verschiedenen getesteten Gewebetypen und stellte sich der Diskussion mit Wissenschaftlern und  Vertretern der NGOs aus aller Welt. Christian Schunk von der Technischen Universität (TU) München präsentierte die wissenschaftliche Datenauswertung der erfassten Messergebnisse: Dreidimensionale Netze erzielten dabei die beste Resultate. Überraschend war, dass kostengünstige Netze teilweise sehr gut abschnitten. Über ein Jahr lang hatte die TU am Testkollektor Wassererträge von unterschiedlichen Netzmaterialien gemessen und meteorologische Daten zu Windstärke und Luftfeuchtigkeit gesammelt.

16. August 2016